{"id":48,"date":"2017-12-07T14:11:20","date_gmt":"2017-12-07T14:11:20","guid":{"rendered":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/?page_id=48"},"modified":"2017-12-10T13:23:17","modified_gmt":"2017-12-10T13:23:17","slug":"juni-besuch-des-gutachters","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/?page_id=48","title":{"rendered":"Juni Besuch des Gutachters"},"content":{"rendered":"<p>Ich warte und warte, jeder Tag zieht sich ins unermessliche und wird zudem unbequemer und unbequemer, was soll denn erst sein, wenn der eigentliche Tag der Pr\u00fcfung durch den Gutachter gekommen ist?<\/p>\n<h2>Falle ich dann wie ein Wolfsschaf in Schockstarre?<\/h2>\n<p>Jeden Tag der gleiche Gedanke. Bis nun endlich der Termin anklopfte, in Form von einem Anruf, er finde das Haus \/ die Wohnung nicht.<\/p>\n<p>Darauf ich:<\/p>\n<blockquote><p>Ich werde mich von meinem Zivildienstleistenden aus der Wohnung begleiten lassen und Sie dann an der Stra\u00dfe in Empfang nehmen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Getan gesagt, ich rollte ihm entgegen und wir trafen uns an der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Abgeholt und wieder in meiner Wohnung, frug mein damaliger Zivi, ob er etwas trinken wolle. Trotz des netten Angebotes lehnte der Gutachter die Einladung zum Trinken ab. Doch ich, in meiner Aufregung verlangte von meinem Zivi stets und st\u00e4ndig ein Glas zu trinken. Neben mir sa\u00df ein enger Vertrauter.<br \/>\nEr schaute mir tief in die Augen, um mir mitzuteilen, dass ich mich nicht verr\u00fcckt machen solle und neutral bzw. gelassen den Fragen entgegenstand. W\u00e4hrend der Anwesenheit des Gutachtens oder besser gesagt, w\u00e4hrend der Befragung des Gutachters wurden mir \u00c4u\u00dferungen zum Leben &#8211; aus den Rippen geleiert:<\/p>\n<ol>\n<li>wie oft ich aufs Klo gehen m\u00f6chte?<\/li>\n<li>wie oft ich etwas essen werde?<\/li>\n<li>wie oft ich was auch immer tun m\u00f6chte!?!?!?<\/li>\n<\/ol>\n<p>In fast allen Antworten, die eine Angabe von dem &#8211; <strong>wie viel man m\u00f6chte<\/strong>, habe ich immer eine Gegenfrage gestellt, in der ich den Gutachter gefragt habe &#8211; <strong>wie oft ER \u2026?<\/strong><\/p>\n<p>Auf eine solche Anfrage oder Bitte, ihm dieses zu beantworten &#8211; wurde dem Gutachter klar, dass ich nichts \u00fcbrig habe, meinen Tag nach dem Muster \u201e<strong>wie viel ich denn haben m\u00f6chte<\/strong>\u201c auszuf\u00fchren w\u00fcrde. Nat\u00fcrlich kann ich <em>IHN<\/em> in irgendeiner Weise verstehen, dass die Gutachter des LWLs in etwa erfahren m\u00fcssen, wie oft ich etwas tue, um mich f\u00fcr einen gewissen Stundensatz am Tag einzustufen. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass man seinen Tag ob behindert oder nicht behindert &#8211; nicht nach einem Schema F ablaufen lassen kann. Als Tipp habe ich Ihnen erz\u00e4hlt, dass es Tage gibt an denen ich 4 l trinke oder auch nur anderthalb Liter trinke. Dann gibt es wiederum Tage an denen ich f\u00fcnfmal ein Essen zu mir nehme oder gar vielleicht nur einmal ein Essen zu mir nehme. All solche unterschiedlichen Abl\u00e4ufe eines Tages machen es schwierig ein sogenanntes Schema F stupide durchzuf\u00fchren. Au\u00dferdem erkl\u00e4rte ich ihm, dass nicht nur meine k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen unterst\u00fctzt werden m\u00fcssen, sondern auch Hilfestellungen im Haushalt, kulturellen Unternehmungen oder beruflichen Werdeg\u00e4ngen vonn\u00f6ten seien. Der Herr\u2026 vom LWL verlie\u00df mich ungef\u00e4hr zweieinhalb Stunden sp\u00e4ter und ich bin stumm mit meinen Bekannten am Wohnzimmertisch sitzen geblieben. Erst etwa 15 Minuten sp\u00e4ter oder vielleicht sogar eine halbe Stunde sp\u00e4ter konnte ich meinem Kumpel einige seiner \u00dcberlegungen und Fragen beantworten. Hierbei machte er deutlich, dass ich mich auf jeden Fall soweit es geht gut ausgedr\u00fcckt habe und er es bezweifeln w\u00fcrde, dass mir dieser Gutachter einen zu niedrigen Stundensatz pro Tag bewilligen wird.<\/p>\n<p>Rein theoretisch h\u00e4tte es ausgereicht, dass das Gutachten der AOK bzw. des MDKs als Referenz der Beurteilung. Denn schon in diesem Gutachten der AOK ist festgehalten, dass ich aufgrund meiner Behinderung nicht in der Lage bin, irgendeine Situation im Leben ohne Unterst\u00fctzung zu meistern. Sei es das \u00d6ffnen einer Banane und das dazugeh\u00f6rige Essen &#8211; dieser Banane.<\/p>\n<p>Oder etwas Wichtigeres wie Trinken, hierbei bin ich so eingeschr\u00e4nkte in meiner Selbstst\u00e4ndigkeit, dass ich wie in der W\u00fcste bei Durst \u2013 mir vorstellen kann &#8211; vor mir w\u00e4re ein Glas frisches und zu gleich kaltes Wasser. Aber selbst h\u00e4tte ich nicht die Chance das frische Etwas zu genie\u00dfen; geschweige in meinen Hals kippen zu k\u00f6nnen. Auch m\u00f6chte ich an dieser Stelle erw\u00e4hnen, viele meiner anderen Bed\u00fcrfnisse werden wohl zuk\u00fcnftig auch immer mehr einer Einschr\u00e4nkung unterliegen. Wie sagt der Volksmund so sch\u00f6n &#8211; <strong>wir werden alle nicht j\u00fcnger<\/strong>. Das hat zur Folge, dass mein Dasein um meine bislang gelernte Selbstst\u00e4ndigkeit immer weiter proportional weniger wird. Das diese Einschr\u00e4nkung mein Leben bestimmen wird, somit bin ich absolut realistisch und sch\u00e4tze in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren &#8211; vielleicht auch nur drei Jahren &#8211; meine bis dato umgesetzte Selbstst\u00e4ndigkeiten \u2013 abhandenkommen wird. Um dass alles etwas konkreter zu gestalten \u2013 mache ich in diesem Augenblick einen <strong>Exkurs<\/strong>.<\/p>\n<p>Es ist schon traurig, wenn man am Fenster sitzt und sich mithilfe einer Spracherkennungssoftware den Text aus dem Kopf quetscht, weil schon an dieser Stelle zu bemerken ist, dass ich noch vor Jahren ohne Probleme einen Text auf dem Computer verfassen konnte. Doch leider bemerke ich heute schon, wie schwer es ist Texte und andere Mitschrift in den PC zu h\u00e4mmern. Sicherlich ist es auch enorm praktisch und sch\u00f6ne diese Funktionalit\u00e4t der Spracherkennungssoftware beim Arbeiten zu nutzen, aber es ist eine schwierige Denksportaufgabe &#8211; einen Text so zu sprechen, wie man ihn tippen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nun ja, alles Jammern hilft nichts und aus diesem Grund m\u00f6chte ich mich dem n\u00e4chsten Kapitel widmen.<\/p>\n<p><strong><div class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/buch.modernklusion.de\/?page_id=46\" title=\"Anfang April 2011\">Letztes Kapitel: Anfang April 2011<\/a><\/div><\/strong> <strong><div class=\"alignright\"><a href=\"http:\/\/buch.modernklusion.de\/?page_id=50\" title=\"Erste Ergebnisse mit dem Umfang von 20 Stunden\">N\u00e4chstes Kapitel: Erste Ergebnisse mit dem Umfang von 20 Stunden<\/a><\/div><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich warte und warte, jeder Tag zieht sich ins unermessliche und wird zudem unbequemer und unbequemer, was soll denn erst<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/48"}],"collection":[{"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/48\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":193,"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/48\/revisions\/193"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/buch.modernklusion.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}